Schletzi-Dogs

Aus aktuellem Anlass: Während das Schletzi (viele können sich gar nicht mehr erinnern, dass das Stadion einst “Letzigrund” hiess) bei Luzerner Fussballanhängern höchste Beliebtheitswerte geniesst, ist es bei vielen anderen, weniger lebefrohen, Kurven ziemlich verhasst. So auch bei den Fans des Rekordmeistergrasshopperclubzürich. Fairplay, bei euch können wirs (ansatzweise) verstehen. Trotzdem sind die GC-“Heimspiel”-Zuschauerzahlen etwas enttäuschend. Zumeist versammeln sich auswärts fast ähnlich viele GC-Fans im Stadion, wie “zuhause”. Woran mag das liegen?

Im australischen Fremantle sind wir auf eine mögliche Erklärung gestossen. Auch dort besteht der Grossteil des Fanaufkommens des lokalen Aussie-Football-Clubs aus Gästesupportern. Dies hat einen perfiden, aber simplen, Hintergrund. Heimfans sind nämlich von Amtes wegen verboten! Wie das? Der 117-jährige South Fremantle Football Club trägt den Übernamen “Bulldogs”. Die Bulldoggen, wie man auch die Anhänger nennt, sind entsprechend omnipräsent im Stadtviertel. In grossen Lettern wird man beim Betreten des “Fremantle-Oval”, der Heimstätte des Clubs, mit dem Schriftzug “Welcome home of the Bulldogs” begrüsst. Nur: An sämtlichen Eingangstoren hängt nicht nur der erwähnte Willkommensgruss, sondern auch eine Verbotstafel: “Dogs prohibited” – Hunde verboten. Tja.

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Das versperrte Tor wäre nicht nötig – Bulldogen-Fans sind gar nicht erlaubt.

Wir fragen uns: Handhabt die Stadt Zürich dies womöglich ähnlich wie die City of Fremantle? Sind sämtliche “Dogs” auch beim Schlachthof-seitigen Eingang zum Schletzi verboten? Beim GCZ trägt zwar nicht der Verein, aber viele Exponenten der Fanszene, den Übernahmen “Bulldogs”. Kann es sein, dass die Stadt Zürich die älteste immerpräsente Gruppierung der Grasshopper-Fanszene etwa auch pauschal von den Spielen aussperrt? Ist dies der Grund für das geringe Zuschaueraufkommen?

Ob sie nun den “Bulldogs” den Zutritt zum Schletzi effektiv verwehren oder deren Exponenten einfach wieder einmal hinter schwedischen spanischen Gardinen höckeln und daher von “Heimspiel”-Besuchen abgehalten werden, ist schlussendlich aber ja doch zweitrangig. Morgen zählen andere Werte und Grundsätze. Solange die Schletzi-Verantwortlichen den Alkohol nicht verbieten, das Aufpeppen von Punsch ausschlagen oder – man stelle sich das einmal vor – einem nicht mehr erlauben, im Gästesektor eine eigene Bar zu führen, so lange gibt’s zumindest für die FCL-Fans keinen Grund, ein Schletzi-Spiel zu verpassen. Lasst uns also ein weiteres Mal rohe Mengen Punsch vernichten, genüsslich die Treppe runterdonnern, einen Toilettendeckel als Souvenir nach hause nehmen und mit den Frauenverbündlerinnen mal eben kurz eine Polonaise veranstalten.

Mögen die Promille mit uns sein.

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Anmerkung: Auch auf die nächste Saison darf man sich ungemein freuen, nicht nur des frohlockenden Öiropagöpps wegen: Die Schletzi-Spielquote dürfte sich – FCZ-Aufstieg-sei-dank – wieder verdoppeln. Und gegen den selbsternannten Stadtclub sind, wie allseits bekannt, ja nicht nur die tresentechnischen, sondern auch die sportlichen, Erfolge garantiert.

Schletzi: Unvergessliche Momente, an die sich keiner mehr erinnern kann.

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