Der FCL und die verflixten Zahlen – Eine endlose Liebesgeschichte

Wir schreiben den Dienstag, 17. Mai 2016. Um 17.45 Uhr, fast exakt 24 Stunden nachdem die furios-famos 4:0 gewonnene Meisterschaftspartie gegen den FC Basel abgepfiffen wurde, startet das Testspiel des FC Luzern gegen die Borussia aus Mönchengladbach. Der Freundschaftsmatch musste infolge einer vereinsinternen Terminkollision kurzerhand auf den Vorabend vorverschoben werden. Trotz der für einen Werktag ungewöhnlichen Anspielzeit, wohnen dem Fohlentour2016-Stop des Bundesligsten im schönsten und besten Stadion auf Erden offizielle 2‘000 Zuschauer bei. Die FCL-Auswahl verliert mit 1:6. Die Borussia-Fans des Fanclubs „Wilder Süden“ sind ausser sich und gröhlen noch lange nach Spielende im leeren Stadion herum. Weder der Trainer noch die Mannschaft kommen aber ihrer Aufforderung nach, nochmals aus der Garderobe zurückzukehren. Immerhin das Maskottchen macht mit den drei Hardcore-Supportern dann doch noch die Welle.

Borussen-Schlückchen!

Borussen-Schlückchen!

Derweil sich das Stadion bis auf die drei Partyfohlen also leert, „füllt“ sich oben im VIP-Bereich der „Presidents-Club“. Der FCL lädt zur 10. Generalversammlung der FC Luzern-Innerschweiz AG. Zu diesem Jubiläum hat man sich wieder einmal etwas Spezielles einfallen lassen: Man hat den Anlass so geräuschlos wie nur möglich angesetzt. Eine Strategie, die bereits in den vergangenen Jahren ausgesprochen erfolgreich umgesetzt wurde, war auch zur zehnten Auflage wieder von Erfolg gekrönt. Nur 30 Aktionäre treffen sich zur Jahresversammlung des „sportlichen Aushängeschilds der Zentralschweiz“ ein. Immerhin vertreten diese 30 Nasen satte 97% aller ausgegebenen Stimmrechte, wie einleitend erwähnt wird. 97‘240 Stimmrechte sind an der GV anwesend. 99.97% dieser Stimmrechte vereinen sich allerdings auf den einen Herren von der rundherum äusserst beliebten und transparenten FCL-Holding, welcher zuvorderst Platz genommen hat.

„Wanted: Verwaltungsrat“
15 Minuten später als geplant, startet die Generalversammlung mit einem auflockernden Seitenhieb an den anwesenden Vertreter der Neuen Luzerner Pfadizeitung. Nach diesem ersten kurzen Lacher muss Ruedi Stäger eine Vermisstenmeldung verkünden. Marco Castellaneta, Mitglied des Verwaltungsrates der FC Luzern-Innerschweiz AG, welcher eigentlich neben Präsi Stäger und Finanzchef Wyss den dritten Stuhl auf dem Podium einnehmen sollte, fehlt. Er sei zuvor am Testspiel zwar noch gesichtet worden, sei jetzt aber unauffindbar, erörtert der wortführende Präsident. In den hinteren Reihen wird derweil gemunkelt, dass die GV dieses Jahr dermassen geheimnisvoll kommuniziert wurde, dass nicht nur viele Aktionäre und der Testspiel-Koordinator, sondern gar Verwaltungsräte nichts von der anstehenden Generalversammlung mitbekommen haben. Tja.

„Versteckis“
Aus dem Trio, welches durch die Traktanden führen sollte, wurde also ein Duett. Bevor dieses allerdings den erstpositionierten Traktandenpunkt ansprechen kann, folgen bereits deren zwei Wortmeldungen aus dem Publikum (mittlerer Bereich). Beide ärgern sich über die Nicht-Kommunikation des GV-Termins. Ein „Versteckspiel“ sei es, was der FCL hier aufführe, kritisiert der eine, während der andere darauf aufmerksam macht, dass der FCL gemäss eigenen Statuten gar dazu verpflichtet wäre, ihm bekannte Aktionäre schriftlich einzuladen (gemäss Art. 5 – GV Einberufung). Und da sich infolge einer Gesetzesänderung auf Beginn des Jahres 2016 alle Inhaberaktionäre beim FCL melden mussten, um ihre Aktien zu registrieren, seien dem Club bzw. der AG die Anteilhaber bzw. deren Anschriften nun ja bekannt. Ganz so gelten lassen will man den Statutenbruch von Seiten des Vereins dann natürlich nicht. Zudem sei der Termin immerhin in der Matchzytig erwähnt worden. Selbstverständlich werden die „guten Inputs aber gerne aufgenommen“. Tja.

„Eine me oder eine weniger“
Bereits die GV-Startminuten hatten es also in sich. Doch es sollte – natürlich – noch besser werden. Zuerst stolpert Ruedi Stäger über den Doppelnamen eines Spielers. Dass der Präsident nicht alle seine (Ex-)Angestellten beim Namen kennen muss, kann ihm keiner verübeln. Und gar bei den Fans kennt ja kaum einer diesen Sava Miladinovic Bento. Selbst als dieser noch beim FCL spielte unter Vertrag war, war Bento allerhöchstens bei gewissen Rosarotbrillenern aus dem Kreise der mineralwasserlastigen Nordboyz ein Begriff. Und doch hätte es sich wohl gelohnt, den abgelesenen Text schon vor der Premiere an der GV ein erstes Mal durchzulesen, um genau solche Stolperer zu verhindern. Tja.

Dieser weissgott auch nicht weltbewegende Durchhänger führt in den Jahresbericht über. In diesem erfährt der interessierte GV-Besucher, wie der FC Luzern die Saison 2015/16 mit einem 1:1 Unentschieden gegen den FC Sion begonnen hatte. In den hinteren Reihen munkelten jene, welche am ersten Spieltag im (Flatrate) Eichhof-Corner massenhaft Bier eingeschüttet haben, was wohl der Jahresbericht-Textverfasser noch alles mehr getrunken haben musste, damit er sich nicht mehr an die beiden fulminanten Nachspielzeit-Tore des FCL zum in-extremis 2:2-Endstand erinnern konnte. Tja.

Im späteren Verlauf der GV wird das Publikum genötigt, den Investoren durch in-die-Hände-klatschen ihre Dankbarkeit auszudrücken, weil diese erneut ein Finanzloch gestopft hätten, ehe die Generalversammlung mit den freudigen Worten beendet wird, dass sich der FCL sehr freue, „heute in einer Woche“ alle zum Schlussmatch gegen Sitten begrüssen zu dürfen. Sehr viele Begrüssungen dürften es zwar nicht werden, am kommenden Dienstag. Tja.

Aber eben, diese verflixten Zahlen. 24. oder 25. Mai, 1:1 oder 2:2, 100 Spiele in der Swissporarena oder ein paar mehr oder weniger, n Todestag hier oder erst da, n Verwaltungsrat mehr oder weniger, eine Online-Historie ab Januar, Februar, März, Juli oder wannauchimmer, ect, ect. Aber ja, es stimmt natürlich schon: Jene, die diese “Kleinigkeiten” kümmert, sind halt auch „müehsami Töpflischisser“. Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Vereins und der blauweissen Wirklichkeit fällt allerdings selbst Naivlingen auf.

Wir klopfen uns ab diesem Blogeintrag nun auch nicht „selber auf die Schultern“ (wurden aber auch nicht mit 97‘237 gegen 0 Stimmen – bei 3 Enthaltungen – wiedergewählt), überlassen es dem Leser, ob er diese Art von Berichterstattung als „positiv“ für den FCL erachtet und freuen uns insgemein schon wahrhaftig, dem FCL auch mal unter die Nasen reiben zu dürfen, dass „eine me oder eine weniger“ nun also echt nicht so drauf an kommt – beispielsweise wenn es um Bierflaschenwürfe auf Bahnbolizischten, um Dämmmatten-Schichten im Stadionunterdach oder um böse Stadionverbötler, welche die Frechheit besitzen, an „Match vom Johr“-Veranstaltungen teilnehmen zu wollen, geht.

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FCL-Aktien zeichnen!
Eine FCL-Aktie lohnt sich auf alle Fälle. Zumindest, wenn man den GV-Termin irgendwie mitkriegt. Bier, Wurst und Klamauk – 100 Franken kann man definitiv dümmer ausgeben. Meldet euch also an und werdet FCL-Mitinhaber. Das beste: Weil der Fussballclub Luzern sein Betriebsjahr zukünftig nicht mehr nach dem Kalenderjahr sondern nach der Fussballsaison richtet, findet die nächste Generalversammlung bereits im Herbst 2016 statt. Wir sind jetzt schon gespannt, was für ein Rückrundenstartresultat uns dann aufgetischt wird und welche Verwaltungsräte es wieder vorziehen, zuhause gemütlich Znacht zu essen, anstatt an der GV aufzutauchen. Schlückchen!